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St. Georg Frauenberg

Die ursprünglich der Gottesmutter geweihte Kirche wurde 1067 durch den Kölner Erzbischof Anno II. dem Stift St. Georg überwiesen, womit auch gleichzeitig das  Patronat an ihn wechselte.
Es handelt sich bei der innerhalb der alten Friedhofsmauer (1643) gelegenen Kirche um eine unregelmäßige dreischiffige Bruchsteinanlage mit Chorabschluss an jedem Schiff und vorgesetztem fünfgeschossigen Westturm. Kern ist eine einschiffige Anlage des 10. Jahrhunderts, von der noch das später veränderte Mittelschiff und die vier Untergeschosse des Westturmes her stammen. Um 1100 wurde das südliche Seitenschiff mit halbrunder Ostapsis angebaut. Gegen 1200 folgte der Anbau eines breiteren nördlichen Seitenschiffes, von dessen Außengliederung noch Reste im bestehenden gotischen Nordschiff erhalten sind. Um 1220/30 wurde der kreuzrippengewölbte Chor des Mittelschiffes (mit seiner Halbkriesipis) neugebaut und der Turm um ein neues Glockengeschoss erhöht.
Ende des 14. Jahrhunderts und im Lauf des 15. Jahrhunderts wurde das ehemals romanische nördliche Seitenschiff durch ein gotisches Seitenschiff mit Chor im 3/8-Schluss ersetzt. Dieses ist heute der Hauptkirchenraum. Im Zusammenhang mit dem erwähnten gotischen Neubau des nördlichen Seitenschiffes mit Chor in 3/8-Schluss wurden an Stelle der Flachdecken im Mittelschiff und im südlichen Seitenschiff Kreuzrippengewölbe eingefügt.
Die Kirche zu Frauenberg ist seit Beginn ihres Bestehens eine Wallfahrtskirche. Darauf verweisen sowohl der ursprüngliche Name des Ortes - "Heilige Frau Maria auf dem Berche" - als auch das erste Patronat der Gottesmutter Maria. Noch heute kommt an jedem Pfingstmontag eine Wallfahrtsgruppe aus Lövenich, um hier eine heilige Messe und eine Andacht zu feiern.
Nach starken Beschussschäden aus dem Zweiten Weltkrieg erfolgte in den Jahren 1951 - 1955 eine allgemeine Instandsetzung. Der Innenraum zeigt nach den 1954/55 freigelegten Wand- und Gewölbemalereien eine ansprechende, die verschiedenen Bauteile vereinheitlichende Wirkung. In den Malereien des beginnenden 16. Jahrhunderts kreuzen sich kölnische Tradition und mittelrheinische Einflüsse. Die dekorativen Gewölbemalereien (Pflanzen und Blüten aus dem hiesigen ländlichen Raum) sind noch relativ gut erhalten, die szenischen Darstellungen leider nur noch in Resten - im Mittelschiff u.a. die in Elsig wiederkehrende Darstellung der "Vier Kölner Marschälle". Im Nordchor findet sich eine Darstellung des Weltgerichtes. Dazu in den Fensterkehlen das Wappen der Stifter der Chorausmalung, der ehemaligen Besitzer vom Schloss Bollheim (Oberelvenich).
Über dem Altar hinter dem Taufbecken ist die vorzüglich erhaltene Originalfassung eines romanischen Kruzifix angebracht, entstanden in Köln um 1160. Zu beachten sind der streng symmetrische Aufbau des Körpers und des plissierten Lendentuches, gemildert durch die leichte Neigung des ursprünglich gekröntes Hauptes.

Das Taufbecken stammt aus dem 12. Jahrhundert. Es ist wegen der Nähe zur belgischen Grenze aus Namurer Blaustein gefertigt. Der Taufstein zeigt zwischen den derben Eckmasken verschiedene Reliefs von Ungeheuern, die das Böse, den Satan abwehren sollen. Da der ursprüngliche Sockel vom Zerfall bedroht war, wurde im Jahr 1994 ein neuer Sockel mit 4 kleinen Flankiersäulen angefertigt. Ebenfalls musste ein neuer Deckel geschaffen werden. Er zeigt eine Darstellung der Taufe Jesu.

Auf dem Weg zum Hauptkirchenschiff hängt eine sehr gut erhaltene Holzskulptur des Bischofs Anno, nach dem auch die vorbeiführende Straße benannt ist. Die Figur stammt aus Köln, Ende des 15. Jahrhundert.
Ein Höhepunkt der Innenausstattung ist das Tryptichon hinter dem Zelebrationsaltar. Auf den Flügelaußenseiten sind - nachträglich aufgemalt - die Kreuzigung und die Kreuzabnahme dargestellt. Auf der Innenseite sind auf der linken Flügelseite die Verkündigungsszene, rechts die Anbetung durch die drei Weisen zu sehen. Die Haupttafel zeigt die sogenannte " Heilige Sippe".
Das Tryptichon wurde gestiftet von Johann von Hompesch und seiner Gattin Katharina von Geisbusch anlässlich ihrer Hochzeit im Jahre 1477 (die Stifter finden sich mit ihren Familienwappen unten links und rechts auf dem Gemälde). Es handelt sich um ein Frühwerk des Kölner Meisters der Ursulalegende.
Eine weitere Kostbarkeit ist der Annokelch, ein silbervergoldeter Kelch aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Aus dieser Zeit stammt der becherförmige obere Teil der Kuppa. Er liegt in der schalenförmigen unteren Kuppa, die - wie der Fuß des Kelches - später ergänzt wurden. Schale und Fuß sind durch Bossen (Langbuckeln) gegliedert, die mit getriebenem Blattranken geschmückt sind. Schaft und Nodus sind die jüngsten Teile. Sie wurden 1809 im Auftrag des Aachener Bischofs Berlodet dem beschädigten Kelch zugefügt. Die becherförmige Kuppa zeigt in Gravierung die 12 Apostel, thronend unter Rundbogenarkaden. Sowohl die Gravierung des ältesten Teiles als auch das Blattwerk des jüngeren Kelches weisen auf den Kölner Kunstraum hin.
Die Pfarrkirche St. Georg zu Frauenberg beherbergt eine Orgel des in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Rheinland tätigen Orgelbaues Johann Heinrich Brinkmann. Dieser legt am 16. November 1842 dem Kirchenvorstand von Frauenberg einen „Plan und Kostenanschlag einer Orgel“ zum Preise von 775 Talern vor. Das Werk soll achtfüßig werden, aus einem Handklavier, angehängtem Pedale und zwei Blasebälgen bestehen. Die Aufstellung der Orgel in Frauenberg hat Brinkmann im Laufe des Sommers 1843 besorgt; die nach Abschluss der Arbeiten geforderte Revision wird am 1. Oktober d. J. durch den Brühler Seminarlehrer Michael Toepler (1804-1874) und den Frauenberger Lehrer und Organisten Schwingeler vorgenommen.
1910 erfährt die Orgel eine größere Umdisponierung durch den Orgelbauer Josef Breuer aus Zülpich. Im Ersten Weltkrieg müssen wie bei den meisten Orgeln die Prospektpfeifen zu Rüstungszwecken abgeliefert werden. Bei der Erneuerung des Prospekts mit Zinkpfeifen, die wahrscheinlich nach 1920 durchgeführt worden ist, wird das Klangbild der Orgel erneut geändert.
Seit 1999 gibt es in der Kirche auch wieder einen Kreuzweg - eine in schwerer Holzschnitztechnik ausgeführte aussagekräftige Arbeit des schwäbischen Künstlers Andreas Felger (*1934). Stilistisch steht er zwischen Realismus und Expressionismus. Er bildet nicht nur ab, sondern hebt durch Farbe, Form und Komposition das jeweils Wichtige hervor und gibt damit Anstöße zu Besinnung und Gebet. Der neue Kreuzweg hält sich in Größe, Farbigkeit und und Formensprache gegenüber den anderen Kunstwerken dieser alten Kirche sehr zurück. Er ist unaufdringlich, aber eindringlich.